Wie erkenne ich Co-Abhängigkeit?

Co-Abhängigkeit ist gekennzeichnet durch die Unfähigkeit, mit sich selbst, seinen Bedürfnissen und Gefühlen in Kontakt zu treten. Infolgedessen werden Entscheidungen nicht aus einem natürlichen inneren Antrieb heraus getroffen und dementsprechend gehandelt. Denken und Verhalten sind stark nach außen gerichtet. Das Leben kreist um andere Personen, um Vorgänge (Arbeit / Spielsucht / Sex / Sport / Hobbies u.a.) oder Substanzen (Drogen / Alkohol / Essen u.a.). Das Gefühl in einem “Hamster-Rad” zu sitzen, dem man nicht entkommen kann, ist die Folge.

Co-Abhängigkeit ist die Krankheit des verlorenen Selbst.

Viele Menschen sind davon betroffen, ohne es zu wissen. Die Symptome variieren in Stärke uund Ausprägung. Bei manchen zeigt sich die Selbstentfremdung in ihrer Unlust oder Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen und sich Ziele zu setzen. Das Selbstbild ist sehr vage und diffus. Es gibt eine Unsicherheit darüber, was wahr oder falsch ist, was man fühlt, glaubt oder wofür man steht. In den meisten Fällen fehlt den Emotionen die Spontanität und Tiefe – ausser wenn sie eine Reaktion auf das Verhalten einer anderen Person sind. Allein fühlt man sich leer, unzulänglich und traurig. In intimen Beziehungen gibt es in der Regel viele Konflikte. Unbewußt wird der “belebende Effekt” von Drama förmlich gesucht, um sich ab und zu intensiv spüren zu können.

Deshalb entzieht Co-Abhängigkeit dem Betroffenen eine Menge seiner Vitalität und Spontanität. Sie nimmt ihm die Grundlage zur Selbstverwirklichung. Letztendlich schwächt co-abhängiges Verhalten langfristig die Lebenskraft. Sie führt so auch zu chronischen körperlichen Beschwerden. Neben dem fehlenden Kontakt zu sich selbst und der Abhängigkeit vom Außen besteht ein starkes Kontrollbedürfnis. Man ist nicht in der Lage für sich klare Grenzen zu setzen.

Wie entsteht Co-Abhängigkeit?

In der Kindheit internalisierte Schamgefühle (nicht zu genügen, nicht gewollt zu sein, falsch / schlecht zu sein u.ä.) sind die Ursache der Problematik: Das Verhalten eines oder beider Elternteile trug in der Regel selbst co-abhängige Züge. Diese Eltern sahen ihre Kinder als Erweiterung ihres Selbst und nicht als einzigartige, separate Persönlichkeiten. Sie nutzten unbewußt auf subtile Art und Weise ihre Kinder, um den eigenen Selbstwert zu stützen, ihre Ideale zu erfüllen und ihre emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Bestätigen die Eltern dem Kind nicht, daß es so richtig ist, wie es ist, dann beginnt es zu glauben, daß seine Gefühle und Bedürfnisse falsch und unwichtig sind! Um die Verbindung zu den Eltern nicht zu verlieren und Anerkennung zu bekommen unterdrückt das Kind mit der Zeit dann mehr und mehr seine wahren Gefühle und Wünsche. In diesem Prozeß verliert es langsam sein spontanes Verhalten und damit den Kontakt zu sich selbst. Die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts ist nicht mehr gewährleistet. Wenn Eltern nicht in der Lage sind, zu ihrem Kind eine echte emotionale Verbindung aufzubauen fühlt es sich verlassen. Das ist seine schlimmste Angst – weil es bedeutet nicht gewollt zu sein. Wenn ein Kind sich nicht verstanden fühlt, kein Mitgefühl im Blick, in der Berührung und der Stimme der Mutter erkennt, dann fühlt es sich nicht liebenswürdig, allein und verurteilt.

Kinder schließen aus Enttäuschung und emotionalem Rückzug der Eltern, dass sie schlecht, unwichtig und nicht gut genug sind. Sie glauben eine stabile liebevolle Beziehung nicht zu verdienen. Als Erwachsene werden sie aufgrund dieser inneren Überzeugung nicht in der Lage sein, eine sichere Bindung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Ihr Unterbewußtsein wird dann jede sich bietende Möglichkeit dafür “erfolgreich” boykottieren.

Hält der Bruch in der Verbindung langfristig an und bleibt er von den Eltern unerkannt, dann entwickelt das Kind Scham über sich selbst – die Grundlage für co-abhängiges Verhalten und den Verlust eines gesunden Selbstgefühls.

Ein gesundes Selbstgefühl ermöglicht es uns, anderen gegenüber spontan auszudrücken, was wir fühlen – ob Freude, Ärger oder Traurigkeit – und ohne Entschuldigung zu kommunizieren, was wir wollen und brauchen. Es gedeiht in einer Atmosphäre von Wärme durch Menschen, die uns erlauben, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und die uns ermutigen, unsere Individualität auszuleben. Die Reaktion unserer Eltern auf unsere Bedürfnisse und unser Verhalten sind Ausschlag gebend dafür, inwieweit sich unser Selbstgefühl und unser Selbstwert entwickeln kann.

Um sich geliebt zu fühlen muß ein Kind spüren, daß es so, wie es ist, akzeptiert wird. Es darf nicht das Gefühl vermittelt bekommen, um Liebe kämpfen zu müssen, indem es den Idealen und Erwartungen der Eltern entspricht!

Scham und Isolation sind mächtige Gefühle. Sie sind in der Lage, uns glauben zu lassen, daß wir falsch und nicht in Ordnung sind. Um diese negativen Gefühle nicht ständig haben zu müssen eignen wir uns – je nach Situation und Veranlagung – bestimmte Schutz-Strategien an. Als erwachsene Co-Abhängige benutzen wir in unseren Beziehungen die selben in der Kindheit erworbenen Strategien, um uns weniger unwohl zu fühlen. Diese erlernten Mechanismen dienen der Abwehr von Scham. Was in der Kindheit durchaus sinnvolle Anpassung an die gegebenen Machtverhältnisse in der Familie war wird im Erwachsenenalter in der intimen Paarbeziehung aber zum Problem!

Diese Schutzmechanismen variieren: Manche Co-Abhängige streben nach Perfektion, um anerkannt zu werden. Sie suchen unablässig nach Bestätigung und wollen es anderen recht machen. Andere verabscheuen Schwäche und verhalten sich aggressiv. Sie haben für sich entschieden, daß Angriff die beste Verteidigung ist. Manche ziehen sich zurück, reagieren arrogant oder spielen Fröhlichkeit vor, um Konflikte und Schamgefühle zu vermeiden. Ablenkung mit Süchten oder exzessives betreiben von unterschiedlichsten Aktivitäten sind ebenfalls typisch. Die meisten nutzen mehrere dieser Möglichkeiten, um internalisierte Schamgefühle abzuwenden und nicht wahrzunehmen.

Egal welche der Strategien ein Co-Abhängiger nutzt, er ist geplagt von Gefühlen der Unzulänglichkeit und des Selbstzweifels. Alle tragen – wenn auch oft unbewusst – einen gewissen Grad an Selbst-Hass in sich.

Was kann man gegen Co-Abhängigkeit tun?

Das Verständnis der Hintergründe ist ein allererster, aber nicht unwichtiger Schritt. Als nächstes schaut man sich die individuell zugrunde liegenden Glaubenssätze und Handlungsstrategien genauer an. Man beginnt zu verstehen, welche Probleme sie in den eigenen Beziehungen verursachen. Für viele Menschen entstehen so wahre Aha-Effekte, denn ihre Lebensläufe ergeben plötzlich einen Sinn. Es wird klar, warum das Leben aus Wiederholungsschleifen zu bestehen scheint und der normalerweise eintretende Lerneffekt aus offensichtlichen Fehlern ausgeblieben ist. Hinderliche tief verankerte negative Gedanken durch in der Kindheit entstandene Schamgefühle müssen Schritt für Schritt aufgelöst werden. Erst dann kann sich die Qualität der Beziehungen zu anderen Menschen verbessern.

Der Weg zu einem gesunden Selbstgefühl ist nicht leicht, denn wir kommen in der Therapie nicht umhin, uns unseren bis dahin verleugneten Gefühlen zu stellen. Das Ergebnis ist aber unbezahlbar. Jedem, der diesen Artikel aufmerksam gelesen hat, ist das ganz bestimmt klar geworden.

Neben der Aufarbeitung der individuellen Situation im Gespräch unterstütze ich meine Patienten in der Therapie mit entsprechenden Homöopathika, die es erleichtern, auftretende Blockaden schneller und leichter zu überwinden.

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