Züge und Muster eines Kindes narzisstischer Eltern

Ich möchte in diesem Artikel auf die typischsten Auffälligkeiten eingehen, die Kinder von Eltern mit narzisstischen Verhaltensweisen entwickeln. Eine gesunde Psyche ist die Grundlage für ein glückliches erfolgreiches Leben. Eltern tragen hier eine große Verantwortung, derer sie sich bewußt sein sollten.

Es besteht eine starke Polarität zum Thema “Vertrauen”. Das Kind tendiert im späteren Leben dazu entweder zu viel oder nicht genug zu vertrauen. Die Ursache dafür liegt in dem auf der einen Seite sehr liebevollen überschwenglichen Umgang mit dem Kind und dem auf der anderen Seite oft herunter ziehenden bestrafenden Verhalten der Eltern. Da das Kind als Verlängerung des Selbst und nicht als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen wird neigen narzisstische Eltern dazu hohe Erwartungen zu haben. Bei Nichterfüllung wird das Kind verbal oder emotional bestraft.

Sie sehnen sich nach Liebe und Nähe, haben jedoch gleichzeitig auch große Furcht davor. Das resultiert aus ihrer ambivalenten Erfahrung. Sie haben zwar viel Liebe und Zuneigung bekommen, sie war jedoch in der Regel an bestimmte Erwartungen geknüpft.

Sie sind hypervigilant. Den Menschen in ihrer Umgebung gegenüber zeigen sie eine extreme Vorsicht und Wachsamkeit, denn sie haben es gelernt ihr Verhalten an die Wechselhaftigkeit der Stimmung ihrer Eltern anzupassen.

Sie werden zu Perfektionisten. Der Grund ist ihre ausgesprochen große Angst davor Fehler zu machen (für die sie oft bestraft wurden). Es begleitet sie das permanente Gefühl nicht gut genug zu sein. In ihrer Ursprungsfamilie galt meist der Grundsatz: “Nicht geschimpft ist genug gelobt!”

Sie haben Probleme Grenzen zu setzen. Die Ursache liegt im fehlenden Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen, den sie durch ihr nach außen gerichtet sein verloren haben. Die Eltern haben oft ihre Grenzen verletzt. Sie haben zwar Sicherheit hinsichtlich der Sorge für ihre Lebensgrundlagen erlebt, aber Unsicherheit hinsichtlich ihrer emotionalen Bedürfnisse.

Sie erwarten besonders nach schönen Momenten, daß etwas negatives passiert (“waiting for the other shoe to drop”) und neigen aufgrund dessen zu Selbstsabotage. Sie verursachen dann unterbewußt durch ihr Verhalten Beziehungskrisen. Das resultiert aus den für sie als Kind unberechenbaren und instabilen Verhältnissen im Elternhaus. Streit und Dramen fühlen sich vertraut an.

Sie verstricken sich in toxische Beziehungen. Das Verhalten des Partners fühlt sich vertraut an, denn Liebe wird unterbewußt mit Schmerz verbunden. Sie bestätigen sich damit immer wieder ihre negativen Glaubenssätze.

Sie wollen mit aller Macht unabhängig bleiben. Narzisstische Eltern nutzen ihr Kind als eine Art “Resource”, um den eigenen Selbstwert zu stabilisieren. Eine Beziehung bedeutet für sie Verlust der Eigenständigkeit und Aufopferung der eigenen Bedürfnisse.

Es fällt ihnen schwer Hilfe in Anspruch zu nehmen und zu empfangen. Die Eltern haben dem Kind gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß ihre Liebe und Unterstützung an Bedingungen geknüpft ist. Sie haben gelernt, daß sie sich mit Inanspruchnahme von Hilfe in die Schuld des Gegenübers begeben.

Sie fühlen sich zerrissen. Das Bedürfnis sich mitzuteilen und zu öffnen ist genauso da wie der Wunsch sich zu verstecken und zu verschließen. Gefühle äußern war gefährlich. Sie haben Erfahrung gemacht, daß sie Gefühle und Gedanken besser für sich behalten sollten, um Verurteilung oder Strafe zu entgehen. Da sie nicht alles offen teilen und oft Geheimnisse haben fühlen sie sich als Erwachsene in Beziehungen auch weniger mit ihrem Partner verbunden.

Sie sind dazu fähig sehr tiefe Gefühle zu entwickeln. Als Kind lernten sie, ihre Eltern trotz zugefügter emotionaler Verletzungen zu lieben.

Sie leiden unter starken Schamgefühlen (“Ich bin nicht gut genug.”/ “Ich bin fehlerhaft.”). Es ist für sie unbedingt notwendig einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen zu erlernen und für sich selbst Mitgefühl zu entwickeln. Chronische Schamgefühle werden mit der Entwicklung von Autoimmun-Erkrankungen in Verbindung gebracht!

Sie sind oft sehr harte Arbeiter. Dabei überschreiten sie häufig ihre Grenzen, denn sie haben gelernt, daß ihre Anstrengungen nie reichen. Außerdem nehmen sie sich selbst, ihre Gefühle und Bedürfnisse nur sehr mangelhaft wahr.

Es fällt extrem schwer Entscheidungen zu treffen. Aufgrund ihrer tiefen Sehnsucht nach Liebe und der gleichzeitig so ausgeprägten Angst davor entwickeln sie oft ein ängstlich vermeidendes Bindungsverhalten oder sogar ein Borderline-Syndrom. Die Tragik dessen liegt in ihrer tiefen Sehnsucht nach Verbindung und der gleichzeitigen Angst vor Kontrollverlust. Der Kräfte zehrende aussichtslose Kampf darum, endlich irgendwo “anzukommen” führt unerkannt und unbehandelt oft in die Depression oder chronische Krankheit.

Siehe auch: https://www.katikoerner.de/aengstlich-vermeidendes-bindungsverhalten/

sowie:           https://www.katikoerner.de/diagnose-borderline-was-nun/

Konkrete Verhaltensmuster von Eltern mit ausgeprägt narzisstischen Zügen finden Sie hier:

  www.katikoerner.de/narzisstische-eltern-10-merkmale/

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