Die Beziehungsdynamik “Bitte liebe mich” und ihre Ursachen

Häufig finden wir in Beziehungen dieses Szenario:

Eine Frau kämpft um die ungeteilte Aufmerksamkeit und Zuwendung ihres Mannes. Der Mann hat das Gefühl, er wird nicht geliebt, da er glaubt, seine Frau nie zufrieden stellen zu können. Deshalb zieht er sich zurück. Ein “Gummiband-Effekt”: Der Mann geht umso mehr in den Rückzug  je näher ihm die Frau zu kommen versucht.

Eine weit verbreitete “Epidemie” – WARUM??

Wir alle kennen romantische Filme, wie Romeo und Julia. Viele Frauen sehnen sich nach einem solchen Level von Intimität und Verbindung. Sie sind dementsprechend eifersüchtig auf Geschlechts-Genossinnen , die offensichtlich tatsächlich dazu in der Lage sind, Männer “verrückt nach ihnen” zu machen. Männer, die alles für sie tun und für sie durch dick und dünn gehen! Männer, die maskulin genug sind, um sich von ihnen nicht bedroht zu fühlen, die die Führung übernehmen und die sie im hier und jetzt genau so nehmen, wie sie sind.

Doch ihre Realität ist eine andere: Sie fühlen sich zu Männern hingezogen, die nie ganz da sind! Sie haben Männer an ihrer Seite, die sich ihnen gegenüber apathisch verhalten.

Und so verbringen sie viel Zeit damit, sich Dinge einfallen zu lassen, die den Mann dazu bewegen sollen ihnen näher zu kommen. Sie glauben sich anstrengen zu müssen, um ihn zu inspirieren. Sie verbiegen sich, um Aufmerksamkeit zu bekommen und zu halten. Schließlich endet das in in der Regel in einem Gefühl von Frust, Leere und Einsamkeit. Sie sitzen zusammen zuhause im gleichen Raum, aber fühlen sich allein. Verzweiflung wird zum Dauerzustand. Die verzweifelte Suche nach Liebe und Aufmerksamkeit führt dazu, daß sie sich absolut machtlos fühlen. Sie werden wütend und beginnen ihn zu kritisieren. Das Ergebnis: Der Mann fühlt sich nicht geliebt. Er mag sogar denken, daß SIE sich komplett verändert hat. Anfangs hat sie ihn schließlich bewundert…Er fühlt sich vom Sockel gestoßen, weil er sie nicht glücklich machen kann. Das Leben mit ihr wird anstrengend. Ein Streß, der nicht existiert, wenn er weg von ihr ist! Was auch immer er tut – er hat das Gefühl es genügt nicht. Er kann nicht sehen, was sie will! Also zieht er sich weiter zurück. Groll und Ablehnung bauen sich auf. Er flüchtet in Fantasien über andere Frauen. Als Resultat dessen fühlt sich die Frau ungeliebt und “zerrt” noch mehr am Mann. Er fühlt sich in die Enge getrieben und sieht die Bedürftigkeit dieser Frau! Er kritisiert sie und das macht sie immer wütender. Seine abweisende Haltung verstärkt sich und die Abwärtsspirale ist nicht mehr zu aufzuhalten…

WARUM IST DIESE DYNAMIK SO VERBREITET?

Wo liegt die Ursache?

Die Wurzel dessen liegt in unserer Kindheit.

Betroffene Frauen:

Sie hatten Väter, die keine emotionale Nähe zu ihnen aufbauen konnten. Ihre Väter hatten oft wichtigeres zu tun und initiierten keine “quality time” mit ihren Töchtern. Sie haben nicht versucht herauszufinden, was ihr Kind im innersten ausmachte, welche Vorlieben oder Abneigungen es hatte. Die Frauen mußten sich als Kind um die Aufmerksamkeit ihrer Väter bemühen. Aufmerksamkeit mußte verdient werden! Die Gefühle, die wir in intimen Beziehungen zu unseren Männern haben ähneln denen, die wir als Kind zum Vater hatten. Es ist sehr schwer, das zu erkennen, weil wir den Schmerz ganz tief unter dem Begehren und Sehnen nach der Liebe des Vaters vergraben haben. Wenn wir nicht die Liebe bekommen haben, die wir gerne gehabt hätten, dann tendieren wir dazu diesen Elternteil zu idealisieren. Unterbewußt suchen wir weiter nach dieser Liebe und aufgrund dieses unerfüllten Verlangens nach einem presenten Vater sind wir nicht in der Lage, den intensiven Schmerz, den seine nicht Erreichbarkeit erzeugt hat, anzuschauen und zuzugeben.

Betroffene Männer:

Sie hatten Mütter, die mit ihnen verstrickt waren. Sie konnten ihnen wenig Freiraum lassen. Diese Männer haben Nähe bekommen, wurden vielleicht sogar damit überschüttet, aber die Art von Nähe hat sich nicht immer gut angefühlt. Die Mütter waren kontrollierend, hielten Sorge für Liebe und es wurde viel kritisiert. Nähe war also an Bedingungen geknüpft. Es bestand großes Interesse daran, was aus dem Sohn wird. Die Männer erhielten – direkt oder unterschwellig – von ihren Müttern die Botschaft, daß sie sie durch inadequates Verhalten unglücklich machen. Liebe war nicht frei von Bedingungen. Sie wurde nur gegeben, wenn der Sohn sich nach ihren Vorstellungen verhielt. Sie liebten den Sohn für was er für sie sein sollte, nicht für was er war! Die Mutter hat den Sohn also verantwortlich für ihr Glück gemacht. Diese Männer haben in der Kindheit gelernt, daß der einzige Weg das zu überstehen darin besteht, sich zu verschließen. Nähe bedeutet für sie Gefahr. Sie sehnen sich danach, aber sie sehen Nähe auch als eine offene Tür, um in eine Falle zu geraten! Vielleicht waren sie sogar ein “Mama-Kind” und wollten es sein, aber es hat sich mit dieser Mutter nicht immer gut angefühlt.

Die negativen Auswirkungen dessen werden verstärkt, wenn es zusätzlich einen schwachen, passiven, abhängigen oder sich zurück ziehenden Vater gab. Wenn das der Fall ist, dann ersetzen Mütter unterbewußt ihre Männer mit ihren Söhnen. Und so muß der Sohn zur emotionalen Stütze der Mutter werden! Das schüttet bei diesen Männern noch zusätzliches Öl ins Feuer: INTIMITÄT wird mit GEFAHR gleichgesetzt. Es ist schwer, das zu erkennen, weil Männer sich schuldig fühlen ihre Mutter so zu sehen. Es ist für sie nicht okay, denn bis zu einem gewissen Grad erliegen sie immernoch dem Glauben, verantwortlich für die Gefühle ihrer Mutter zu sein. Deshalb erlauben sie sich nicht, die Mutter und ihre Kindheit zu sehen, wie sie war. Die Schuld hält sie gefangen. Männer sind deshalb oft blind für diese Dynamik und verschließen die Augen davor.

Frauen finden sich in ähnlichen Beziehungsdynamiken, wie sie sie mit ihren Vätern hatten und Männer, wie sie sie mit ihren Müttern erlebten.

WAS KÖNNEN WIR DAGEGEN TUN?

▶ Erkennen, daß das der Fall ist ist der erste Schritt!
▶ Stellen wir uns diese Fragen:

Versuche ich als Frau meinen gleichgültigen Vater in einen sich einbringenden liebevollen Vater, den ich mir gewünscht habe zu verwandeln, indem ich meinen gleichgültigen Partner zu verändern suche?

Versuche ich als Mann meine nicht zufriedene Mutter in eine bedingungslos liebende, wertschätzende Mutter, die ich immer wollte zu verwandeln, indem ich meine nörgelnde bedürftige Partnerin zu verändern suche?

3) Wir Frauen müssen lernen, die Beziehung loszulassen. Gebt alle Energie, die ihr ihm gewidmet habt in euch selbst! Sagt eurem Partner klar was ihr braucht, aber dann nehmt euch zurück. Wenn er es nicht versucht, dann ist er nicht wirklich ganz in der Beziehung! Tritt dieser Mann dann aus eurem Leben, dann solltet ihr auch nicht mit ihm zusammen sein. Wenn er wöllte wäre er da!

4) Ihr Männer solltet entscheiden, ob ihr in einer Beziehung sein wollt oder nicht. Und es gibt dazu keine falsche Antwort! Aufgrund der Beziehung die ihr zu eurer Mutter hattet werdet ihr anfangs Schuld verspüren, wenn ihr eine Beziehung beendet. Fragt euch: Bin ich ganz in der Beziehung oder nicht? Wenn nicht, dann beendet sie! Nehmt wahr, wenn ihr euch zurück zieht. Erwischt euch dabei! Tut das Gegenteil. Nicht nur das. Ihr solltet lernen zu lieben: Fragt eure Partnerin, was ihr tun könnt, damit sie sich geliebt fühlt. Es ist eine Entscheidung, die ihr trefft, wenn ihr in den Rückzug geht und stattdessen andere Dinge priorisiert. Wenn ihr mit eurer Partnerin sein wölltet, dann würdet ihr. Entscheidet!

5) Die Arbeit mit unseren “inneren Kindern”, die unter diesen falschen Beziehungs-Dynamiken gelitten haben ist unumgänglich. Frauen müssen eine bessere Vater-Figur für ihr “inneres Kind” finden. Männer müssen ihr “inneres Kind” vor ihrer kritischen Mutter schützen. Erfindet in eurem Geist eine Vater-Figur, die besser zu ihr passen würde, als euer Vater. Erlaubt dieser Vater-Figur die emotionale Stütze eurer Mutter zu sein. Erkennt eure “inneren Kinder” dafür an, was sie sind. Setzt sie frei!

6) Wir sollten klar und ehrlich mit unseren Partnern hinsichtlich unserer Bedürfnisse sein. Wir müssen uns ebenso ehrlich fragen, ob wir überhaupt dazu in der Lage sind, die Bedürfnisse unseres Partners zu erfüllen! Strukturiert eure Bedürfnisse nicht um die Person mit der ihr zusammen seid! Wenn wir nicht dazu in der Lage sind, unserem Partner das zu geben, was er braucht, dann sollten wir den Mut haben die Beziehung beenden. Findet Partner, die dazu willens und in der Lage sind!

7) Wir müssen lernen uns selbst wertzuschätzen: Wenn wir an Partner geraten, die sich uns gegenüber gleichgültig verhalten oder die überkritisch sind, dann ist das ein Beweis dafür, daß es uns an Selbstwert mangelt. Findet also Wege, euren Selbstwert zu stärken, damit ihr euch nicht mehr mit Menschen verstrickt, die euch nicht bedingungslos lieben und wertschätzen können.

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