Die Beziehungsdynamik “Bitte liebe mich” und ihre Ursachen

Häufig finden wir in Beziehungen folgendes Szenario:

Eine Frau kämpft mit allen Mitteln um die Aufmerksamkeit und Zuwendung ihres Partners. Der Mann hat das Gefühl, er genügt nicht und wird von ihr nicht geliebt, da er annimmt, diese Frau nie zufrieden stellen zu können. Also bleibt ihm – so glaubt er –  nur der weitere Rückzug. Es entsteht ein Teufelskreis durch diesen “Gummiband-Effekt”: Der Mann geht umso mehr in den Rückzug  je näher ihm die Frau zu kommen versucht!

Eine weit verbreitete “Epidemie” – WARUM??

Wir alle kennen romantische Filme, wie Romeo und Julia. Viele Frauen sehnen sich nach einem solchen Level von Intimität und Verbindung. Sie sind dementsprechend eifersüchtig auf Geschlechts-Genossinnen , die offensichtlich tatsächlich dazu in der Lage sind, Männer so “verrückt nach ihnen” zu machen, daß sie alles für sie tun und für sie durch dick und dünn gehen! diese frauen haben Männer, die maskulin genug sind, um sich von ihnen nicht bedroht zu fühlen. Sie haben Männer, die die Führung übernehmen, die sie als Frau im hier und jetzt genau so nehmen, wie sie sind. Doch ihre eigene Realität ist eine völlig andere:

Sie fühlen sich zu Männern hingezogen, die nie ganz da sind, die sich unengagiert und apathisch zeigen!

siehe auch:  https://www.katikoerner.de/was-ist-bindungsangst/

Und so verbringen sie viel Zeit damit, sich um seine Aufmerksamkeit zu bemühen, sich Dinge einfallen zu lassen, die den Mann dazu bewegen sollen sie mehr wahrzunehmen. Sie glauben sich anstrengen zu müssen, um ihn zu “inspirieren”! Sie verbiegen sich, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen und sie zu halten. Schließlich endet das in in der Regel in einem Gefühl von Frust, Leere und Einsamkeit. Sie sitzen mit ihrem Partner zuhause im gleichen Raum, aber fühlen sich allein! Verzweiflung wird zum Dauerzustand. Durch diesen Kampf um Liebe und Aufmerksamkeit fühlen sie sich machtlos. Sie werden innerlich immer wütender. Sie beginnen zu nörgeln und zu kritisieren, mit dem Ergebnis, daß der Mann sich ungeliebt fühlt. Er mag sogar denken, daß SIE sich komplett verändert hat. Anfangs hat sie ihn schließlich bewundert! Er fühlt sich “vom Sockel gestoßen”, weil er sie scheinbar einfach nicht glücklich machen kann. Das Leben mit ihr wird immer anstrengender. Er hat Streß, der nicht existiert, wenn er weg von ihr ist! Was auch immer er tut – er hat das Gefühl es genügt nicht. Er kann nicht erkennen, was sie genau will! Also zieht er sich weiter zurück. Groll und Ablehnung bauen sich bei ihm auf. Er flüchtet in Fantasien von anderen Frauen. Das Resultat: die Frau spürt die wachsende Distanz und “zerrt” noch mehr an diesem Mann. Er fühlt sich immer weiter in die Enge getrieben und sieht nur noch, wie bedürftig diese Frau nach seiner Liebe ist! Er reagiert immer schroffer auf sie und das macht sie immer wütender. Seine abweisende Haltung verstärkt sich und die Abwärtsspirale ist einfach nicht mehr zu aufzuhalten…

WARUM IST DIESE DYNAMIK SO VERBREITET?

Wo liegt die Ursache?

Die Wurzel dessen liegt in unserer Prägungsgeschichte.

Betroffene Frauen:

Diese Frauen hatten Väter, die keine emotionale Nähe zu ihnen aufbauen konnten. Ihre Väter hatten wichtigeres zu tun und initiierten keine “quality time” mit ihren Töchtern. Sie haben nicht versucht herauszufinden, was ihr Kind im innersten ausmachte, welche Vorlieben oder Abneigungen es hatte. Diese Frauen mußten sich als Kind um die Aufmerksamkeit ihrer Väter bemühen. Aufmerksamkeit mußte verdient werden! Die Gefühle, die eine Frau in intimen Beziehungen zu Männern hat ähneln denen, die sie als Kind gegenüber dem Vater empfand. Es ist extrem schwer, das zu erkennen. Sie haben den Schmerz ganz tief unter dem Begehren und Sehnen nach der Liebe des Vaters vergraben. Wenn wir die Liebe und Aufmerksamkeit nicht bekommen haben, die wir gerne wollten, dann tendieren wir dazu diesen Elternteil zu idealisieren. Unterbewußt suchen wir als Erwachsene weiter nach der Liebe des Vaters. Das große Verlangen nach seiner Präsenz blieb unerfüllt. Seine nicht Erreichbarkeit hat einen intensiven Schmerz erzeugt. Ihn anzuschauen und zuzugeben erfordert viel Mut und den Willen zur Selbstreflexion.

Mehr dazu: https://www.katikoerner.de/aengstlich-ueberinvolviertes-bindungsverhalten/

Betroffene Männer:

Diese Männer hatten Mütter, die mit ihnen verstrickt waren. Ihnen wurde wenig Freiraum gelassen. Diese Männer haben Nähe bekommen. Sie wurden vielleicht sogar damit überschüttet. Aber diese Nähe hat sich nicht immer gut angefühlt. Sie war an Bedingungen geknüpft. Ihre Mütter hielten Sorge für Liebe. sie versuchten stet die Kontrolle über ihren Sohn zu behalten. Er wurde oft kritisiert. Was einmal aus dem Sohn wird und wie er sein Leben gestaltet war von großer Wichtigkeit. Diese Männer erhielten – direkt oder unterschwellig – von ihren Müttern die Botschaft, daß sie sie durch inadequates Verhalten unglücklich machen! Liebe wurde gegeben, wenn der Sohn sich nach ihren Vorstellungen verhielt. Mit anderen worten liebten diese Mütter ihren Sohn für das, was er für sie sein sollte, nicht für was er war! Die Mutter hat den Sohn verantwortlich für ihr Glück gemacht. Diese Männer haben in der Kindheit gelernt, daß der einzige Weg das zu überstehen darin besteht, sich zu verschließen! Nähe bedeutet für sie Gefahr. Sie sehnen sich danach, aber sie sehen Nähe auch als eine offene Tür, um in eine Falle zu geraten! Vielleicht waren sie sogar ein “Mama-Kind”! Sie wollten es gern sein, aber es hat sich mit dieser Mutter nicht immer gut angefühlt.

Die negativen Auswirkungen dessen werden verstärkt, wenn es zusätzlich einen schwachen, passiven Vater gab  – einen Vater im Rückzug! In solchen Fällen ersetzen Mütter unterbewußt ihre Männer mit ihren Söhnen. Der Sohn muß zur emotionalen Stütze der Mutter werden! Es schüttet bei diesen Männern noch zusätzliches Öl ins Feuer: Intimität wird mit Gefahr verknüpft. Das zu erkennen ist für diese Männer extrem schwierig, denn es entstehen sofort starke Schuldgefühle, wenn sie sich erlauben, ihre Mutter so zu sehen! Es ist für sie einfach nicht okay. Sie erliegen ja immernoch dem Glauben, verantwortlich für die Gefühle ihrer Mutter zu sein. Es erfordert viel Mut, diesen Schritt zu wagen – die Mutter und ihre Kindheit mit realistischen Augen zu betrachten. Die Schuld hält sie gefangen! Männer sind deshalb oft blind für diese Dynamik und verschließen die Augen davor.

Mehr dazu:  https://www.katikoerner.de/aengstlich-vermeidendes-bindungsverhalten/

WAS KÖNNEN WIR TUN?

▶ Hintergründe erkennen ist der erste Schritt!
▶ Stellt euch diese Fragen:

1) Versuche ich als Frau meinen abwesenden Vater in einen liebevollen zugewandten Vater, den ich mir gewünscht habe zu verwandeln, indem ich meinen gleichgültigen Partner verändern will?

2) Versuche ich als Mann meine unzufriedene Mutter in eine liebende anerkennende Mutter, die ich haben wollte zu verwandeln, indem ich meine kritisierende Partnerin zu verändern suche?

3) Die Frau in diesem Szenario muß lernen, die Kontrolle über die Beziehung aufzugeben: Stecke stattdessen all die Energie, die du ihm gewidmet hast in dich selbst! Sage deinem Partner klar was du brauchst. Aber dann nehme dich zurück. Wenn er deine Bedürfnisse nicht befriedigen will, dann ist er nicht wirklich in der Beziehung! Tritt dieser Mann aus deinem Leben, laß ihn. dann gehört er nicht zu dir. Wenn er wöllte wäre er da!

4) Der Mann muß lernen zu entscheiden. Willst du diese Beziehung oder nicht? Es gibt dazu keine falsche Antwort: Aufgrund der Beziehung die du zu deiner Mutter hattest wirst du anfangs Schuld verspüren, wenn du eine Beziehung beendest! Frage dich: Bin ich ganz in der Beziehung oder nicht? Wenn nicht, bitte beende sie. Nimm wahr, wenn du dich zurück ziehst. Ertappe dich dabei! Tue bewußt das Gegenteil. Du solltest lernen zu lieben: Frage deine Partnerin, was du tun kannst, damit sie sich geliebt fühlt. Es ist eine Entscheidung, die du triffst, wenn du in den Rückzug gehst und stattdessen andere Dinge priorisierst. Willst du mit dieser frau sein? Entscheide dich!

5) Die Arbeit mit unseren “inneren Kindern” ist unumgänglich. Sie haben unter diesen falschen Beziehungs-Dynamiken gelitten! Frauen sollten eine neue Vater-Figur für ihr “inneres Kind” finden. Männer müssen lernen ihr “inneres Kind” vor ihrer kritischen Mutter zu schützen: Erfindet in eurem Geist eine Vater-Figur, einen Partner für eure Mutter, der besser zu ihr passen würde! Dann darf er in eurem Geist die emotionale Stütze eurer Mutter zu sein. Erkennt eure “inneren Kinder” für das an, was sie sind. Setzt sie frei!

6) Wir sollten unseren Partnern unserer Bedürfnisse klar und ehrlich mitteilen. Wir sollten uns ehrlich fragen, ob wir dazu in der Lage sind, die Bedürfnisse unseres Partners zu erfüllen! Strukturiert eure Bedürfnisse nicht um die Person mit der ihr zusammen seid! Habt den Mut, eine Beziehung zu beenden, wenn ihr feststellt, daß ihr nicht dazu in der Lage seid, eurem Partner das zu geben, was er braucht und umgekehrt.

7) Wir müssen lernen uns selbst wertzuschätzen: Wenn wir an Partner geraten, die sich uns gegenüber gleichgültig verhalten oder die überkritisch sind, dann ist das ein Beweis dafür, daß es uns an Selbstwert mangelt. Findet Wege, euren Selbstwert zu stärken, damit ihr euch nicht mehr mit Menschen verstrickt, die euch nicht bedingungslos lieben und wertschätzen können!

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