Bin ich co-abhängig?

Co-Abhängigkeit ist gekennzeichnet durch die zunehmende Einschränkung in der Wahrnehmung von Verhaltensalternativen bis hin zum Gefühl existenzieller Bedrohung durch jegliche Veränderung. Sie geht mit ähnlichen Begleiterscheinungen einher, wie die einer tatsächlichen Drogenabhängigkeit:

Verlust von Selbstwert / Unterdrückung von Gefühlen / Verstärkung von Abwehrmechanismen / Kampf um Kontrolle / Realitätsverlust / Beeinträchtigung aller Potenziale der Persönlichkeit

Co-Abhängigkeit ist etwas erlerntes: Davon Betroffene haben in der Kindheit fälschlicherweise für sich abgespeichert, daß sie auf irgendeine Art und Weise nicht genügennicht wichtig sind (durch ambivalentes, wechselhaftes Verhalten der Eltern) oder daß ihre Gefühle falsch sind (durch unsensibles, ablehnendes Verhalten der Eltern). Das sind die Glaubensmuster mit denen die meisten Co-Abhängigen aufwachsen. Diese unbewußten Überzeugungen wurden ihnen von ihren Bezugspersonen also nicht zwangsläufig direkt kommuniziert! Sie haben es aus dem Verhalten und der Einstellung der Eltern bzw. aus bestimmten Erlebnissen oder Ereignissen geschlußfolgert. Folge dessen ist ein unsicheres Bindungsverhalten (abweisend vermeidend / ängstlich vermeidend / überinvolviert), das die Aufrechterhaltung einer stabilen harmonische Partnerschaft untergräbt. Leider werden diese negativen Glaubenssätze und die daraus resultierenden Verhaltensmuster ungewollt dann oft von einer Generation zur nächsten “weiter gereicht”. (Siehe auch: Wir erkenne ich Co-Abhängigkeit?)

Änderung auf eigene Faust ist nicht leicht, denn es fällt schwer, Menschen – und ganz besonders sich selbst – durch eine andere Brille, als durch die, die einem vertraut und mit der man aufgewachsen ist zu betrachten. Meistens sind sich Menschen ihrer Glaubenssätze nicht bewußt. Der Neurologe Jean-Martin Charcot (Gründer der Hypnose) hat es so ausgedrückt:

“Wenn ein Konflikt zwischen dem Willen und dem Unterbewußten besteht, dann siegt immer das Unterbewußte.”

Das erklärt warum wir es oft nicht schaffen unsere besten Absichten umzusetzen und stattdessen wider besseren Wissens so handeln, daß es uns schadet.

Co-Abhängige haben Ängste, die auf falschen Glaubenssätzen über sich selbst und andere basieren. Sie tragen die Überzeugung in sich, daß es inakzeptabel und peinlich ist, Fehler zu machen. Dadurch entsteht die Angst vor Risiko, davor neues auszuprobieren und klar den eigenen Standpunkt zu äußern. Viele merken nicht, daß sie unterbewußt davon überzeugt sind nicht liebenswürdig und “nicht gut genug” zu sein.

Wenn man sich die falschen Glaubenssätze bewußt gemacht hat, dann ist man noch nicht am Ziel: Aufgrund der Macht des Unterbewußtseins über das formale Wissen besteht im Innersten immer noch die Überzeugung von deren Gültigkeit.

Co-abhängige haben Angst, zu zeigen wer sie wirklich sind. Sie machen es ihrem Gegenüber Recht oder kontrollieren bzw. beeindrucken andere um geliebt und nicht abgelehnt zu werden. Eine andere Taktik ist der Rückzug, um das verlassen werden nicht riskieren zu müssen. Sie beurteilen sich basierend auf ihre Glaubensmuster und gehen davon aus, daß andere das genauso tun. Daraus entsteht z.B. die Unfähigkeit Komplimente an- und wahrzunehmen. Man beobachtet dann z. B., daß ein Partner der Überzeugung ist, er würde kritisiert, obwohl die “kritischen Worte” objektiv betrachtet Komplimente sind. Der falsche Glauben über die eigene Wertlosigkeit untergräbt den Selbstwert und die Sicherheit des Co-Abhängigen und hat damit ernsthafte Konsequenzen für sein ganzes Leben. Er lebt mit Zweifeln, hinterfragt sich ständig und es fehlt ihm an Vertrauen.

Die, die davon überzeugt sind, nicht gut genug zu sein finden sich häufig in mißbräuchlichen Beziehungen wieder, welche dann wiederum ihre negative Sichtweise bestätigen und den Selbstwert weiter verschlechtern. Auf dem bewußten Level können sie unter Umständen schon empört reagieren, aber sie verharren in der eigentlich nicht tolerierbaren Situation. Co-Abhängige haben wiederholt Beziehungen mit Partnern, die ebenfalls betroffen sind. Sie glauben unterbewußt, es nicht verdient zu haben auf einer konstanten Basis um ihrer selbst Willen geliebt zu werden.

Ihr unbewußter Glaube lautet:
“Ich muß die Liebe eines anderen gewinnen, damit sie etwas für mich bedeutet”.

Wenn das Leben ihnen die Chance bietet, eine Beziehung mit einem liebevollen Partner mit sicherem Bindungsverhalten  einzugehen, dann können sie das nicht annehmen und langfristig aushalten. Stattdessen sind sie an jemandem interessiert, dessen Liebe sie verdienen und wofür sie kämpfen müssen, damit sie etwas zählt! (Häufig höre ich von Patienten den Satz: ” Die, die ich bekommen kann will ich nicht, und die die ich haben will wollen mich nicht.”) So können sie lediglich die Eroberungsphase genießen, die ihnen kurzfristig ihren Wert absichert und bestätigt. Sobald der Begehrte sich zu ihnen bekennt verlieren sie das Interesse und die Beziehung erkaltet bis sie schließlich den Kreislauf mit einem anderen Partner erneut beginnen. Sie haben Angst vor echter Intimität und davor, “zu gut erkannt” zu werden, weil das für sie das Risiko der Ablehnung bedeutet.

Wenn man mit der Botschaft aufwächst, daß es unangebracht oder gefährlich ist, bestimmte Gefühle zu haben und sie auszudrücken, dann beginnt man das zu glauben!

Kindern wird vielleicht vermittelt, in bestimmten Situationen bloß nicht zu euphorisch zu reagieren, sie werden für Wut bestraft oder Trauer und Angst werden ignoriert. Der Sohn hört vom Vater eventuell Sätze wie: “Weine nicht, sonst geb ich dir was zu weinen.” Diese Kinder verachten als Erwachsene ihre Gefühle. Sie verstecken sie – nach Jahren der Unterdrückung – oft sogar vor sich selbst! Sie glauben, nicht wütend sein zu dürfen und verhalten sich stattdessen passiv aggressiv durch stille Verweigerung die Bedürfnisse ihres Partners zu befriedigen, fallen in Depressionen oder entwickeln chronische körperliche Symptome, ohne daß sie sich ihres Zorns bewußt sind. Für die Partnerschaft ist das extrem destruktiv: Manche verweigern Intimität oder haben Affairen, weil sie nicht verarbeitete Konflikte mit dem meist gegengeschlechtlichen Elternteil in sich tragen, und sich des daraus resultierenden Zorns nicht bewußt sind.

Oft sind sie sich ihrer Bedürfnisse nicht bewußt und wenn sie es sind, dann sind sie nicht in der Lage darum zu bitten, daß ihr Partner sie befriedigt. Es würde sie zu sehr beschämen. Anstatt preiszugeben was sie wollen erwarten sie vom Partner, daß er es herausfindet. Diese versteckten Erwartungen tragen zu Konflikten in der Beziehung bei.

Erste Ansätze zur Veränderung:

Die Änderung von Glaubenssätzen beginnt damit, sich derer bewußt zu werden. Das gelingt, indem man darauf achtet, wie man mit sich selbst kommuniziert. Oft ist das anfangs schwierig, weil man sich dieser inneren Stimme gar nicht bewußt ist. Nach einer Weile des Übens wird aber in der Regel bemerkt, daß diese “Selbstgespräche” die eigene Stimmungslage und die Verhaltensweisen stark beeinflussen und kontrollieren.

  • Erkennen Sie die Kluft zwischen Absicht und Handlung!
  • Schreiben Sie alles auf!
  • Analysieren Sie Ihre Glaubenssätze, die Ihre Handlungen motivieren.
  • Fragen Sie sich wo die Glaubenssätze ihren Ursprung haben.

Änderung ist möglich. Sie erfordert lediglich ein starkes “Warum?” Das eigene Glück und das unserer Kinder sollte Motivation genug sein. Unser Unterbewußtsein ist mächtig und “kreativ”, aber auch formbar und anpassungsfähig. Und so sollten wir es möglichst FÜR UNS arbeiten lassen, nicht gegen uns.

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